06.09.2016 - Dem Kremser Senf auf der Spur

Der Kremser Senf hat es schon früh zu Ruhm und Ehre gebracht. Denn er genügte sogar kaiserlichen Ansprüchen und bekam schon vor 500 Jahren Lob von höchster Stelle gezollt. Eine gute Gelegenheit, sich auf seine Spuren zu begeben, bietet sich am Sonntag, 25. September, bei einer Sonderführung im museumkrems.

Schon Kaiser Maximilian I. soll es der Kremser Senf angetan haben. So ist in den Geschichtsbüchern nachzulesen, dass er bei seinem Besuch in Krems ins Schwärmen kam und meinte, dass ihm der Senf aus Krems besser munde „als der von Frankreich". Das war vor gut 500 Jahren. Auch in späteren Zeiten hat sich Krems in der Senferzeugung immer wieder einen besonderen Namen gemacht. So attestiert etwa das Offenbacher Warenlexikon gegen Ende des 18. Jahrhunderts dem Kremser Senf, dass er „vorzüglich im Rufe" sei.

Zu dieser Zeit gab es in der Stadt sieben Senfsiedereien, 200 Jahre später nur mehr eine einzige: die Firma Hietzgern. Sie wurde 1819 gegründet und begann 1851 mit der Senferzeugung. Auf die Frage, ob er den Geschmack des „Echten Kremser Senf", wie er damals bezeichnet wurde, auch heute noch auf der Zunge habe, meint Peter Hietzgern, Nachkomme der Unternehmer-Dynastie: „Ja, er hat ähnlich wie der bayrische Weißwurstsenf geschmeckt. Unserer war allerdings heller und etwas schärfer. Im heutigen Kremser Senf ist Essig drin und kein Most, weswegen unser Senf unvergleichbar war."

Originalrezept bleibt streng gehütetes Geheimnis

Der „Echte Kremser Senf" wurde im 19. Jahrhundert zu einem richtigen Exportschlager. Er brachte es auch zu mehreren Auszeichnungen, wie etwa bei der Londoner Weltausstellung im Jahr 1862. Die Auftragsbücher waren damals voll mit Aufträgen aus der ganzen Habsburger Monarchie. Die Fabrik lief so erfolgreich, dass auch eine eigene Werksküche eingerichtet und Arbeiterwohnungen geschaffen wurden.

Mit dem Ende der Monarchie begannen wirtschaftlich schwierigere Zeiten. Im Zweiten Weltkrieg musste auf Heeresversorgung umgestellt werden, doch die Zahlungen blieben aus. Dass dann auch noch die Konkurrenz Kremser Senf in vielen Varianten auf den Markt brachte, führte schließlich dazu, dass die Fabrik 1953 den Betrieb einstellen musste. Ein paar Jahre später wurde ein letzter Versuch unternommen, „Echten Kremser Senf" herzustellen, doch 1067 Jahre war damit endgültig Schluss. Das Originalrezept verschloss die Familie Hietzgern im Archiv.

„Kremser Senf" kennt man auf der ganzen Welt

Eines jener Unternehmen, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Senferzeugung auf den Markt drängte, war Mautner Markhof. Trotz des starken Wettbewerbs um den süßen Senf konnte sich Mautner Markhof mit dem „Original Kremser Senf" als österreichischer Marktführer durchsetzen. „Ein besonderes Merkmal des Kremser Senf ist, dass er nicht hundertprozentig vermahlen ist. Er hat von den Senfkörnern noch eine gewisse Stückigkeit. Man sieht noch Teile der braunen und gelben Senfkörner", erklärt Geschäftsführer Jürgen Brettschneider. Die Zutaten für den Kremser Senf kommen ausschließlich aus Österreich. Auch der Senf selbst, der vorwiegend im Weinviertel angebaut wird. Produziert werden jährlich 650 und 700 Tonnen Kremser Senf. Exportiert wird er in alle Erdteile, außer Asien. Doch auch hier kommt man gerade auf den Geschmack. China hat erst kürzlich Interesse angemeldet.

Dass der Senf heute in der Tube ist, haben die Österreicher dem Pioniergeist Mautner Markhofs zu verdanken - und einer Notsituation. „Früher wurde der Senf nur in Glas-, Ton und Emailgefäßen abgefüllt. Nach dem Krieg gab es einen echten Glasmangel. Da hat man in der Produktion um jedes Glas gekämpft", weiß Brettschneider. So begann Mautner Markhof trotz anfänglicher Skepsis mit der Abfüllung von Senf in Tuben. Die alten Gläser und Gefäße des „Echten Kremser Senf" sind heute neben vielen anderen Ausstellungsstücken im museumkrems zu sehen. Denn dort hat man dem Kremser Senf eine eigene Ausstellung gewidmet. Und wer auf den Geschmack gekommen ist, hat bei einer Sonderführung Gelegenheit, viel Interessantes über die Geheimnisse des „süßen Kremser" zu erfahren und ihn auch zu verkosten.

Sonderführung und Senfverkostung im museumkrems

Sonntag, 25. September, 16 Uhr. Dauer: ca. 60 Minuten
Ticket: 12 Euro (inklusive Senfverkostung mit Würstel, Wachauer Laberl und ein Glas Wein), Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre: 8 Euro (Traubensaft statt Wein)
Anmeldung erforderlich: Tel. 02732/801-571 (Charlotte Puchegger), Mindestteilnehmer: 10 Personen
museumkrems, Körnermarkt 14, www.museumkrems.at

Dem Kremser Senf auf der Spur

Foto: Den Kremser Senf entdecken, erleben und seine Geheimnisse lüften: Die Gelegenheit dazu bietet sich bei einer Sonderführung am 25. September im museumkrems. Viele Ausstellungsstücke stammen aus dem Besitz von Peter Hietzgern, dessen Familie bis in die 1960er Jahre den „Echten Kremser Senf" erzeugt hat.